Einigung in Schulentwicklung: Grundschulen bleiben in Stadtteilen, Grünstraße zieht ins Schulzentrum.

Einigung in Schulentwicklung: Grundschulen bleiben in Stadtteilen, Grünstraße zieht ins Schulzentrum.

Einigung in Schulentwicklung: Grundschulen bleiben in Stadtteilen, Grünstraße zieht ins Schulzentrum.

Foto: Unsere Schulpolitische Sprecherin Dr. Ulrike Brauksiepe (Mitte) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Marc Bartrina (FDP, links) und Sabine Radtke (SPD, rechts). Quelle: Björn Fry.

Zur gemeinsamen Sitzung des Schul- und Jugendhilfeausschuss präsentierten die Fraktionen von CDU, SPD, FDP, Linke und Linke Piraten eine breite Einigung zur Entwicklung der Hattinger Schullandschaft bis 2020:

Der Konsens: Grundschulen erhalten, Realschule Grünstraße und Gymnasium Holthausen gemeinsam im Schulzentrum.

Die durch das Gutachten von biregio teilweise zur Schließung vorgeschlagenen Grundschulen in den Stadtteilen werden weitergeführt. Für die einzelnen Grundschulen wurde eine jeweilige Zielmarke zur Zügigkeit festgelegt. Der breite Zusammenschluss von Ratsfraktionen lehnt damit die zuletzt von der Verwaltung avisierte Verlegung der Grundschule Holthausen in das Schulzentrum ab.

Stattdessen entschied sich das Bündnis für einen Umzug der Realschule Grünstraße in das Schulzentrum, das ab diesen Sommer durch Auflösung der Marie-Curie Realschule zur knappen Hälfte (!) leersteht. Das Schulzentrum soll darüber hinaus zum Förder- und Unterstützungszentrum ausgebaut werden, um die von der Bezirksregierung und rot-grünen Landespolitik erzwungene Schließung der Förderschule zu kompensieren. Dass die Förderbeschulung nicht sich selbst überlassen wird, war insbesondere der CDU Hattingen bereits im letzten Jahr sehr wichtig. Dies biete sich nun insbesondere im neuen Schulzentrum an, da gerade die Realschule bereits jetzt einen Großteil der Inklusion übernimmt und nach Auslaufen der Förderschule in 2018 weiter damit zu rechnen ist. Die anderen weiterführenden Schulen sollen ihre Arbeit am gewohnten Standort mit gewohnter Zügigkeit fortsetzen können. Die Gesamtschule Welper soll aufgrund ihrer Beliebtheit einen weiteren 6. Zug und eine Ausbauperspektive erhalten. Den gesamten Antrag finden sie hier.

Die Option des Umzugs der Realschule Grünstraße anstelle der Grundschule Holthausen hatten sowohl der Gutachter biregio als auch die Verwaltung bisher nicht in Erwägung gezogen. Deren Vorschlag des Zusammenzugs von Gymnasium und Grundschule Holthausen hatte die Gemüter in der Bevölkerung und auch in der Politik stark gespalten. Die Parteien setzten sich daher über die politischen Lager hinweg zusammen, um einen breiten Konsens für ein derart wichtiges und emotionsgeladenes Thema zu finden. Bis zuletzt sah es sogar nach einem einstimmigen Konsens aus, erst am Tagungstag ließen die Grünen von dem gemeinsamen Vorschlag ab. Der Zusammenschluss erwartet von der Verwaltung nun erste Umsetzungspläne im Juni.

Vorteile: Gewohnte Teilung des Schulzentrums durch ein Gymnasium und eine Realschule, Erhalt von Flexibilität für Anpassungsmaßnahmen in unsicheren Zeiten.

Den Umzug der Realschule Grünstraße anstelle der Grundschule Holthausen zieht der Zusammenschluss von CDU, SPD, FDP, die Linke und Linke Piraten insbesondere deswegen vor, weil im Gebäudekomplex des Schulzentrums bisher auch über Jahre ein Gymnasium und eine Realschule saßen. Auf bestehenden Erfahrungen und Räumlichkeiten könnte daher ohne größere Veränderungen aufgebaut, die teilweise für Unruhe sorgende Zusammenführung von Grundschülern mit Oberstufenschülern bei Einzug der Grundschule umgangen werden. Darüber hinaus lässt ein Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule mehr Optionen offen, sollte ein späterer Anbau aufgrund höherer Schülerzahlen aus einem ggf. weiter anhaltenden Zuzug von Asylsuchenden notwendig sein. Der Einzug einer Grundschule hätte eine teilweise räumliche Trennung innerhalb des Gebäudekomplexes erfordert, der nicht nur teuer sondern auch eine spätere Erweiterung unmöglich gemacht hätte. Ein späterer Anbau wäre nur auf der Seite des Gebäudekomplexes möglich, auf dem die Grundschule aufgrund gebäudetechnischer Gründe hätte einziehen sollen. Ein späterer Anbau hätte die Grundschule dann eingekesselt. Mit dem jetzigen Vorschlag erhalte man sich stattdessen auch eine gewisse Flexibilität für späteres Nachsteuern. Denn Nachsteuern kann durchaus erforderlich sein, wie die jüngsten Entwicklungen zeigten. Der Beschluss beinhaltet daher auch die jährliche Fortschreibung und ggf. Anpassung des Plans.

Hintergrund: Aktueller Zuzug stellt die Prognosen und vergangene Entwicklung rückläufiger Schülerzahlen auf den Kopf.

Mittlerweile gut 2 1/2 Jahren ist der Auftakt und die Beauftragung des Gutachters biregio her. Damalige Situation: Angesichts des demographischen Wandels hat Hattingen bereits viele Schüler im Vergleich zu Jahrzehnten davor verloren. Und auch das im letzten Jahr fertiggestellte Gutachten prognostizierte für die Zukunft weiter sinkende Schülerzahlen. Es hielt fest: Bereits jetzt existiert zu viel Schulfläche. Die Gebäudeentwicklung habe nicht mit der sich verändernden Schülerzahlen mitgehalten, eine Reduzierung der Schulflächen sei daher dringend geboten. Dass die deswegen vom Gutachter biregio ins Gespräch gebrachten Schulschließungen der kleineren Grundschulen vom Tisch sind, liegt vor Allem daran, dass die Entwicklung angesichts von Zuzügen Asylsuchender derzeit verkehrt werden. Allein im Grundschulbereich werden im kommenden Schuljahr voraussichtlich zwei zusätzliche Eingangklassen gebildet. Von für alle Beteiligten unangenehme Auflösungsbeschlüssen kann auch aus Sicht der CDU zum Glück abgesehen werden. Diese Verkehrung der Verhältnisse zeigt aber, wie unprognostizierbar die derzeitige Lage ist. Umso wichtiger erscheint der CDU daher der Erhalt von Flexibilität, die mit der jetzigen Einigung erreicht werde.

Äußerte biregio in seinem Gutachten noch Kritik, dass Hattingen nicht bereits früher auf rückläufige Schülerzahlen reagierte, kann Hattingen nun froh sein bislang keine Schulschließungen vorgenommen zu haben. Andere Städte, die so bereits auf den demographischen Wandel reagierten, haben nun das Nachsehen und müssen für viel Geld neue Schulen bauen.

Vorschlag wird nicht kritiklos bleiben. Gespräche notwendig.

Dass auch der Umzug der Realschule für Gesprächsstoff sorgt, ist den Beteiligten klar. Eine alle zufriedenstellende Entscheidung wird es nie geben. Denn keine Schule wolle sich bewegen, das haben die Stellungnahmen aller Schulen zum Gutachten gezeigt. Unter Beachtung aller heutigen Informationen erscheint es dem Zusammenschluss aber die bestmögliche Lösung für ganz Hattingen. Zum neuen Vorhaben sollen die betroffenden Schulen und insbesondere die Realschule Grünstraße bis zur abschließenden Entscheidung im Stadtrat am 17.3. erneut Gelegenheit haben Stellung zu nehmen.